Farbenfrohe Windelwelt

 

Hier findet ihr persönliche Geschichten über das Wickeln auf der ganzen Welt. Ich liebe das Reisen und bin beruflich und privat schon in vielen Ländern der Welt gewesen. Mich faszinieren die unterschiedlichen Menschen und Kulturen. Nun ein paar Eindrücke über die Babypos rund um den Globus, die ich von Freunden, Verwandten und Bekannten bekommen habe.

 

Denia, Indonesien

Gewickelt wird üblicherweise mit einem rechteckigen Stofftuch (popok baji = Babywindel).

Danach wird das Kind in eine Art Sarong gewickelt (geht bis an den Hals). Sobald gefühlt wird, dass etwas feucht wird, wird neu gewickelt. Es gibt also keine festen Zeiten!

Normalerweise wird dies von den Müttern gemacht.

Am weitesten verbreitet sind sicher noch die Stoffwindeln in den kampungs (Dörfern). Allerdings hat die Pampers (Wegwerfwindel) mittlerweile Einzug gehalten und wird überwiegend in den größeren Städten verwendet.

Als besonderes Ritual wird dem Baby bis ca. zum 40ten Tag eine Münze in den Bauchnabel eingebracht, damit dieser sich nicht nach vorne wölbt.

 

 

Karsten, Südafrika

In Südafrika prallen auch beim Wickeln verschiedene Welten aufeinander. In den Städten werden die meisten Kinder mit Wegwerfwindeln gewickelt. Diese gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die teuren und guten Pampers, wo nichts rausleckt, und viele sehr günstige Anbieter aus „factory Shops“.

Gewickelt wird in den reicheren Haushalten meist nicht von Mutter oder Vater, sondern von der Nanny, der Hausangestellten. Dort ist es so, dass beide Elternteile meist arbeiten und viele der Kinder von Nannys beaufsichtigt werden. Sie leben mit auf dem Grundstück und helfen in vielen Bereichen des Lebens. Babys werden oft auf dem Rücken von Nannys groß und auch von den Nannys gewickelt. Dies ist meistens mit Wegwerfwindeln. Nur in den Ferien, an Feiertagen oder am Wochenende kommen Vater und Mutter ins Spiel.

Auf dem Land, meist bei der ärmeren Bevölkerung, wird überwiegend mit Stoffen gewickelt. Die Eltern schätzen gut ein, wann das Kind auf die Toilette muss. Es gibt viele kleine Häuser und Hütten, und die Kinder sind viel draußen unterwegs. So lernen die Kleinen schon sehr früh, dass es unangenehm ist, wenn sie nass werden. Viele junge Kinder, so ab 1,5 Jahren, lernen selbst auf die Toilette zu gehen oder sich wenigstens bemerkbar zu machen. In den meisten Fällen sind dies dann Plumpstoiletten.

Die Stoffwindeln werden heiß gekocht und gereinigt, so dass die nötige Hygiene gegeben ist. Das verringert auch die Gefahr von Fliegen und Insekten. Die „Cotton nappys“ werden gekocht und dabei tötet die Hitze Keime und Bakterien ab. Die Familien haben ein ausgeklügeltes System entwickelt, um immer genug saubere Stoffe auf Vorrat zu haben.

Karsten ist Vater von 3 Kindern und war selbst in der Babyzeit mehr zu Hause als die Frau. Sie war mit verschiedenen Jobs beschäftigt und Karsten konnte sich die Arbeit gut einteilen. Als die jüngste Tochter 1 war, entschlossen sie sich, alles selbst zu machen, um viel für die Kinder da zu sein. Wenn Karsten gearbeitet hat, waren die Mädels bei der Tagesmutter, die sich dann auch ums wickeln gekümmert hat. Karstens Kinder waren im Durchschnitt mit 2 Jahren trocken und konnten selbst auf die Toilette gehen, oder zumindest Bescheid sagen.

Oft ist es so, dass die Kinder ohne Windel draußen sind und dann einfach in den Garten machen oder sich hinter einen Busch setzen.
Afrikanische Kinder werden schnell selbstständig. Sie werden so erzogen und die Eltern sind dann stolz drauf, wenn die Kinder schnell trocken werden. Außerdem schont das auch den Geldbeutel, wenn keine Windeln mehr gekauft werden müssen.

In Lesotho gibt es fast keinen Strom, oft nur Solar und Gas. Die „Waschmaschine“ ist ein riesiger Topf, wo hartnäckige Sachen aufgekocht werden. Es wird trotzdem strahlend weiß.

Auch bei Karsten sagte die Nanny: „Nein, die Babysachen und Windeln kommen nicht in die Waschmaschine, ich wasche sie per Hand.“ Auch wenn dies den halben Tag in Anspruch genommen hat, wusste die Nanny, dass es nun richtig sauber ist. Mit der Handwäsche war es dann doppelt so gut wie mit der Maschine.

Auf dem oberen Foto seht ihr Baby Jackson, Nellys Mama, Nelly und Karsten.

 

 

Claudia, Kuba

Traditionell werden Windeln mit 3 oder 4 Schichten weißer Gaze verwendet, die von Näherinnen handgefertigt werden (keine industrielle Produktion). Wegwerfwindeln sind teuer und werden oft für lange Ausflüge reserviert.

Claudia hat ihrer Cousine und ihrer Schwester Windeln angelegt. Ihr hat es viel Spaß gemacht, die Windeln richtig zu falten, bevor sie angezogen wurden. Man muss darauf achten, dass man das Baby nicht mit Sicherheitsnadeln sticht. Dies passiert schon oft genug mit den eigenen Fingern.

Auf  Kuba kümmert sich fast immer die Mutter um das Kind. Aber trotzdem kann jedes Familienmitglied helfen. Auch um die Windeln zu wechseln.

Wenn das Baby zu Hause ist, werden 3- oder 4-lagige Mullwindeln verwendet. Sie müssen ständig gewechselt werden, denn sie halten keinen Urin zurück. Das Gute daran ist, dass sie sich dem Klima anpassen und bei der Wärme angenehm auf der Haut sind. Außerdem verhindern die Stoffwindeln Verletzungen (Rötungen etc.) an der Haut des Babys.

Auf Kuba warten die Mütter immer ein paar Monate, bevor sie anfangen, Babykleidung zu kaufen. Es bringt Unglück, wenn dies in den ersten Monaten passiert. Alle Babys sollten die Augen von St. Lucia als Verteidigung gegen den Bösen Blick haben und ein Gebet von St. Luis Beltrán bekommen, um sich zu schützen, vor allem wenn sie sich nicht gut fühlen (zum Beispiel wenn sie Koliken haben).

Die Taufe wird vor dem 5. Lebensjahr auch in nichtreligiösen Familien durchgeführt.

 

 

 

 

Rohit, Indien

In Indien gibt es verschiedene Möglichkeiten zu Wickeln. In den wohlhabenden Familien werden Wergwerfwindeln wie Pampers oder Mother Earth genutzt. Mother Earth sind pflanzlich basierte Wegwerfwindeln. Der Hersteller achtet besonders auf die Eigenschaften und Materialien. Die Windeln werden aus Maisstärke hergestellt und sind besonders weich und elastisch. Die Windeln sind frei von Latex, Parfum, Lotionen und Bleiche. Gerade in den ärmeren Gegenden wird traditionell, also mit Stoff gewickelt.

 

 

 

 

 

 

 

Corinne, Luxemburg

In Luxemburg wird ähnlich gewickelt, wie man es in Deutschland kennt. Es ist üblich, dass oft die Mutter aber auch der Vater das Wickeln durchschnittlich 5 x am Tag übernimmt. Die Wegwerfwindeln sind sehr präsent, jedoch steigt auch in Luxemburg das Interesse an einer nachhaltigen Alternative.